Die Pferde Portugals

Steckbrief Altér Real

Rasse: Altér Real
Gruppe: Warmblut
Stockmaß: 150 – 160 cm
Exterieur  quadratischer Körperbau, gerades Profil mit kleinem Kopf, üppige, wallende Mähne und tiefschwarzer Schweif
Fellfarbe:  vorwiegend Braune, selten Füchse und Schimmel
Charakter:  intelligent, lernwillig, nervenstark, mutig, ausgeglichen
Gang:  ausdrucksstark, hohe Knieaktion, betonte Bewegungen
Ursprung:  Portugal
Verbreitung:  Portugal
Geeignet für:  Dressur- und Showreiten, Freizeitpferd

 


Royale Warmblüter

Im 18. Jahrhundert ging aus einem portugiesischen Herrscherhaus eine besondere Pferderasse hervor, die Altér Real. „Real“ bedeutet auf portugiesisch „königlich“ und weist auf die royale Geschichte des Gestüts hin. „Altér“ bezieht sich hingegen auf die geografische Herkunft, denn die Zucht begann in Altér do Chão in der südportugiesischen Provinz Alentejo. Es wurden nur erstklassige andalusische Stuten zur Veredelung der Rasse eingesetzt mit dem Ziel, besonders noble Pferde präsentieren zu können. Die Pferde wurden demnach als Parade- und Sportpferde am Königshof eingesetzt und waren seit jeher für die klassische Reitkunst, insbesondere die „Hohe Schule“, besonders gut geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die Population der Altér Real rasant ab, nachdem der Großteil des Zuchtbestandes gestohlen und zerstört wurde. Erst mit der Einkreuzung spanischer Pferde konnte der Bestand gerettet werden. Anfang des 20. Jahrhunderts und mit dem Ende der portugiesischen Monarchie war die Rasse erneut vom Aussterben bedroht. Dass die Altér Real noch heute existieren, ist dem privaten Züchter und Hippologen Dr. Ruy D´Andrade zu verdanken, der 3 Altér Real Hengste und 11 Stuten rettete und die Zucht privat weiterführte. So konnte 1942 das Gestüt Altér wiedereröffnet und der Bestand der Pferderasse gesichert werden. Heutzutage werden die portugiesischen Pferde in Reinzucht gezüchtet. Neben den Gestüten Coudelaria Nacional, Veiga und Andrade wird das Gestüt Altér, oder auch Coudelaria de Altér, als eines der wichtigsten Zuchtlinien Portugals angesehen. Als Aushängeschild für die iberische Rasse gilt der Hengst Rubi AR. Er erlangte weltweite Bekanntheit durch seine spektakulären Auftritte in Europa- und Weltmeisterschaften, sogar bei den olympischen Spielen.

Enge Verwandte der Lusitanos

Die Rasse Altér Real gilt aufgrund der hohen Ähnlichkeit und der engen Blutführung als besonders durchgezüchteter Schlag der Lusitanos. Auffällige Merkmale des Altér Real Pferdes sind seine braune Fellfarbe und das schwarze Langhaar. Im Gegensatz zum Lusitano besitzt er ein eher gerades Profil und keinen Ramskopf. Doch mit seinem quadratischen Körper, dem hoch aufgesetzten, gebogenen Hals und der abfallenden Kruppe entspricht auch dieser Warmblüter einem typisch barocken Pferdetyp. Darüber hinaus bestehen auch Ähnlichkeiten zu anderen iberischen Pferden wie dem PRE oder dem Andalusier.
Sowohl Dressur- als auch Freizeitreiter schätzen den ausgeglichenen Charakter eines Altér Reals. Ihre hohe Lernbereitschaft, gepaart mit einem sehr ruhigen Temperament und einem intelligenten, äußerst nervenstarken Wesen sind hierfür ausschlaggebend. Mit ihrer eleganten Erscheinung und ihren ausdrucksstarken Gängen sind sie wie geschaffen für den Dressursport, insbesondere für Lektionen der Hohen Schule. Auch in der sogenannten „Working Equitation“ machen sie eine gute Figur. Hierbei handelt es sich um eine Reitweise, die ursprünglich der Arbeit mit Rinderherden entstammt und sich mittlerweile zu einer eigenständigen Turniersportdisziplin entwickelt hat. Um diese Disziplin erfolgreich zu meistern, muss ein Pferd besonders schnell und wendig sein – Eigenschaften, auf welche die Verwandten der Lusitanos seit Jahrhunderten hingezüchtet wurden. Auch in anderen Bereichen des Reitsports wie dem Springen oder Fahren machen die portugiesischen Warmblutpferde eine gute Figur und stellen so ihre Vielseitigkeit einmal mehr unter Beweis.


Pferde-Fakten

Schon gewusst? Altér Real-Pferde sind fast ausschließlich in Portugal verbreitet. Dennoch gibt es in Brasilien, tausende Kilometer von Altér do Chão entfernt, eine Pferderasse mit portugiesischen Wurzeln – die Mangalarga Marchador. Entstanden ist die Rasse Anfang des 19. Jahrhunderts, als Teile des portugiesischen Königshofes vor der Invasion Napoléons flüchteten und sich daraufhin in Brasilien niederließen. Gegründet wurde die Rasse durch die Einkreuzung des Hengsts „Sublime“ mit berbischen sowie andalusischen Stuten.