Ein unsichtbares Band und vollstes Vertrauen zwischen Mensch und Pferd – die Freiheitsdressur
Mit einem Pferd ganz frei zu arbeiten, mit ihm auf Augenhöhe zu kommunizieren und das ganz ohne die gängigen Hilfsmittel wie Zaumzeug oder Sattel: Das ist der Traum vieler Pferdeliebhaber. Die Leichtigkeit, mit der die Freiheitskünstler wie Bartolo Messina oder Kenzie Dysli ihre Pferde schwere Lektionen lernen und ausführen lassen, nur gelenkt durch Körpersprache und Stimme, ist beeindruckend und anspruchsvoll zugleich. Denn was so unbeschwert aussieht, erfordert eine lange Beziehung zum Pferd, tiefes Vertrauen und jede Menge Training.

Was ist die Freiheitsdressur genau?

Der Begriff, auch Pferde-Freiheit oder nur Freiheit genannt, beschreibt eine Art der Dressur. Anders als die Hohe Schule hat diese Dressur nichts mit dem Reiten selbst zu tun, sondern findet vom Boden aus statt. Bei der Bodenarbeit kommt es besonders auf die Körpersprache des Menschen an, der das Pferd durch den Einsatz von Stimme und Handzeichen leitet. Eine Peitsche zählt ebenfalls zu den Hilfsmitteln, während Longe oder Hilfszügel nur am Anfang des Trainings gebraucht werden. Ein Clicker kann als positive Verstärkung bei der Arbeit mit dem Pferd ebenfalls genutzt werden. 

Eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist das A und O, um Lektionen wie das Longieren (im Kreis laufen), das Kompliment (die Verbeugung), das Liegen oder das Plié zu lernen. Gerade die letzteren Übungen gehören zur Freiheitsdressur ohne Fortbewegung.


Viel Gefühl und Disziplin bei der Freiheitsdressur

Alex Giona weiß genau, welcher seiner Schimmel welche Stärken mitbringt und fördert sie.

Mit viel Leidenschaft, Geduld und Pferde-Know-How muss man sich nach und nach an die einzelnen Aufgaben der Freiheitsdressur herantasten. Zum Beispiel muss der Künstler erkennen, wo die Stärken der eigenen Pferde liegen. Dies wird vor allem dann zur Herausforderung, wenn man zeitgleich mit mehreren Pferden arbeitet, die sich charakterlich natürlich deutlich unterscheiden können. So braucht der selbstbewusste Hengst manchmal klarere Kommandos, während die Stute es immer recht machen will und schon von selbst viel anbietet. Umso wichtiger ist hier die Kommunikation und der Umgang zwischen Mensch und Pferd.

Weiß der Trainer das, können bei der Bodenarbeit wunderbare Figuren und Formationen auf oder über dem Boden gezeigt werden. Aber auch einzelne Lektionen, wie der Spanische Schritt oder sogar eine Kapriole sind für viele Tiere kein Problem.

Trotz der spielerischen Komponente erfordert die freie Arbeit mit Pferden jedoch jede Menge Disziplin: Tägliches Training ist unabdinglich, genauso wie das Gefühl dafür, wie viel genug ist und wann die Pferde eine Pause brauchen. Schließlich ist nichts schöner, als zu sehen, wie die wunderschönen Tiere frei und fröhlich grandiose Lektionen zeigen.