Wie werden Pferde ausgebildet und welche Grundsätze gelten dabei?

Bei der Ausbildung des Pferdes gibt es eine Übersicht wichtiger Punkte, die zu beachten sind – die Skala der Ausbildung.

Kapriole der Equipe Luis Valença

Egal ob Showreiterei oder Freizeitreiten – die Basis für eine harmonische Reiter- Pferd- Beziehung ist eine qualifizierte Ausbildung. Bei CAVALLUNA zeigt das Team um Luis Valença schwierigste Lektionen der Hohen Schule in Perfektion – wie beispielsweise die Kapriole. Die vier Reiter lassen die anspruchsvollen Dressurlektionen dabei unbeschwert und leicht aussehen und beeindrucken das Publikum mit der Harmonie zwischen Mensch und Pferd. Gleichzeitig ist auch für Laien zu erkennen, welch hohen Ausbildungsgrad die Pferde haben, um auf so feine Gesten und Signale zu reagieren.

In der Ausbildung sollten die natürlichen Bedürfnisse und individuellen Anlagen des Pferdes, ebenso wie sein Wohl, seine Gesundheitserhaltung und Kräftigung immer im Mittelpunkt stehen. So kann das Tier Vertrauen zum Reiter fassen und sich zufrieden und leistungsbereit zeigen. Das Ergebnis dieser Ausbildung ist ein Pferd, das Vertrauen zum Reiter hat, sich zufrieden zeigt und leistungsbereit mit dem Reiter zusammenarbeitet.

Die sogenannte Skala der Ausbildung aus der klassischen Reitlehre kann hierbei als Leitfaden dienen. Sie beschreibt eine systematische, abwechslungsreiche und schonende Ausbildung des Pferdes nach den Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). 

Das übergeordnete Ziel im Zusammenspiel zwischen Pferd und Reiter ist das Gleichgewicht zwischen beiden. Erst auf dieser Basis kann Harmonie im Miteinander entstehen. Das Pferd muss also lernen, sich in jeder Situation auszubalancieren, sowohl mit als auch ohne Reiter. Dafür braucht der Reiter einen losgelassenen, ausbalancierten Sitz, der das Pferd in seinen Bewegungen unterstützt statt stört. Besonders jungen Pferden fällt es schwer, sich auszubalancieren. So ist es leicht vorstellbar, wieviel gemeinsame Arbeit, Ruhe und Geduld im Miteinander von Reiter und Pferd stecken.

Die sechs Punkte der Skala beeinflussen sich gegenseitig, bauen aufeinander auf und entwickeln sich zum Teil auch parallel. So kann zum Beispiel durch zunehmende Versammlungsfähigkeit mehr Schwung entwickelt werden oder durch vermehrtes Geraderichten die Anlehnung verbessert werden. Außerdem kann die Skala der Ausbildung bei Reitproblemen ein Leitfaden sein. Wer beispielsweise Probleme mit der Anlehnung beim Pferd hat, kann einen oder zwei Schritte zurück gehen und kontrollieren, ob das Pferd losgelassen ist und taktrein läuft.

Erst wenn alle Phasen der Ausbildungsskala erreicht sind, kann das Pferd die reiterlichen Hilfen durch seinen ganzen Körper lassen, sie also ganz zwanglos annehmen. Diese sogenannte Durchlässigkeit ist das Ziel in der Zusammenarbeit von Pferd und Reiter, da sie auch und vor allem bei anspruchsvolleren Lektionen ein harmonisches und feinfühliges Miteinander ermöglicht.  
 
Auch unsere Equipen bei CAVALLUNA richten sich nach der Skala der Ausbildung. Sie ist unter anderem Grund für die reibungslose Reiter-Pferd-Kommunikation und Grundlage für die klassischen Dressurlektionen, die die Equipen in unseren Shows vorführen. Man hat das Gefühl, dass Reiter und Pferd zu einer Einheit verschmolzen sind. Dafür haben die Reiter mit ihren Pferden jahrelang trainiert und üben auch immer wieder fleißig, um alle Punkte der Ausbildungsskala weiterhin aufrecht zu erhalten. 

Wer sich im Detail für die einzelnen Punkte der Ausbildungsskala interessiert, findet hier detaillierte Ausführungen dazu, was jeweils gemeint ist. 

Was ist der Takt des Pferdes?

Der Takt eines Pferdes meint das räumliche und zeitliche Gleichmaß in den drei Grundgangarten - Der Schritt ist dabei ein Viertakt; der Trab ein Zweitakt und der Galopp ein Dreitakt. Dieser Takt bleibt auch in Wendungen, bei Tempiwechseln und Lektionen erhalten und ist dem individuellen Grundtempo des Pferdes angepasst.

Dressurlektion der Equipe Filipe Fernandes

Wann sprechen wir von Losgelassenheit?

Losgelassen zeigt sich ein Pferd, wenn es sich ungezwungen und frei in all seinen Gangarten bewegt und dabei physisch und psychisch entspannt ist. Seine Muskulatur ist abwechselnd angespannt und entspannt (äußere Losgelassenheit), gleichzeitig hat das Pferde Freude daran, mitzumachen (innere Losgelassenheit). Das Pferd geht taktrein und schwingt über den Rücken – Reiter und Pferd werden eins. Pferde, die dazu neigen, den Reiterhilfen zuvorzukommen, werden durch das Erreichen der Losgelassenheit ruhiger. Triebige Pferde, die weniger sensibel reagieren, werden gehfreudiger. Die Dressurlektionen der Equipe Filipe Fernandes wirken also nur harmonisch, wenn sich die Pferde unter den Reitern losgelassen bewegen. 

Was bedeutet Anlehnung?

Anlehnung meint die konstante, weich federnde Verbindung zwischen der Hand des Reiters und dem Maul des Pferdes. Den Takt und das losgelassene Vorwärtsgehen vorausgesetzt, entwickelt das Pferd eine Dehnungsbereitschaft über das Gebiss an die gefühlvolle Hand des Reiters. Um eine ehrliche Anlehnung des Pferdes zu erreichen, braucht es vorwärtstreibende Hilfen zur Schwungentwicklung, eine ruhige und weiche Hand, sowie einen ausbalancierten und losgelassenen Reitersitz. Hier spielt also die Körperbeherrschung des Reiters eine wichtige Rolle. Die Pferde im Team um Luis Valença laufen also nur in ehrlicher Anlehnung, da ihre Reiter mit einer gewissen Körperspannung und gleichzeitig einem losgelassenen Sitz ihre vorwärtstreibenden Hilfen geben.

Was ist unter Schwung zu verstehen?

Als Schwung bezeichnet man den energischen Impuls der Hinterhand, der auf die Gesamtvorwärtsbewegung übertragen wird. Diese Dynamik entwickelt sich aus den großen Gelenken der Hinterhand. Damit die Bewegung über einen elastischen und federnden Rücken bis zum Gebiss durchgelassen werden kann, muss das Pferd sich in Anlehnung fortbewegen und dabei losgelassen sein. 

Was bedeutet Geraderichtung?

Geraderichtung ist die Anpassung der Körperlängsachse und der Stellung der Vorder- und Hinterhufe auf einer Hufschlaglinie. Das führt dazu, dass die natürliche Schiefe des Pferdes ausgeglichen wird und beide Körperseiten gleichmäßig gymnastiziert werden. So können alle Gliedmaßen gleichmäßig belastet werden. Sind die Bewegungen auf geraden und gebogenen Linien hufschlagdeckend, also tritt die Hinterhand in die Spur der Vorhand, ist das Pferd geradegerichtet.

Doma Vaquera der Equipe Sebastián Fernández

Was heißt Versammlung?

Versammlung bedeutet, dass das Pferd seine Hanken (Hüft-, Knie- und Sprunggelenke) deutlich mehr beugt, somit vermehrt unter den Schwerpunkt tritt, sich leichtfüßig und energisch bewegt und sich daraus in Selbsthaltung tragen kann. Durch die starke Winkelung der Hinterhand senkt sich die Kruppe, was wiederum zu einer relativen Aufrichtung führt. Dadurch bekommt der Reiter das Gefühl, bergauf zu reiten. Die Schritte, Trabtritte bzw. Galoppsprünge werden kürzer, bleiben aber trotzdem fleißig. Aus der Kombination von Schwung und Versammlung ergibt sich die Kadenz, das bedeutet, dass die Schwebephase deutlich länger ausgehalten wird. Die Versammlung findet man in vielen Shownummern von CAVALLUNA, denn für die meisten Dressurlektionen von z.B. Equipe Filipe Fernandes oder für die Doma Vaquera der Equipe Sebastián Fernández ist diese Voraussetzung. So kann das Team um Filipe Fernandes ihre Galopp-Pirouette oder auch Piaffe nur zeigen, wenn ihr Pferde ausreichend versammelt sind.

1. Gewöhnungsphase

Die ersten drei Punkte der Ausbildungsskala werden als Gewöhnungsphase bezeichnet. Junge Pferde sollen sich hierbei an den Reiter und die Hilfen gewöhnen. Bei erfahrenen Pferden dient die Phase dem Warmreiten im alltäglichen Training.

2. Entwicklung der Schubkraft

Mit Schubkraft ist die Aktivität der Hinterhand gemeint. Die Hinterhand soll energisch nach vorne unter den Schwerpunkt des Pferdes treten. Die Schubkraft ist gekennzeichnet durch eine schwungvolle Gangart im Trab bzw. Galopp. Sie ist Voraussetzung für die letzte Stufe der Skala, der Entwicklung der Tragkraft.

3. Entwicklung der Tragkraft

Man muss sich den Rücken des Pferdes wie eine Brücke zwischen Vor- und Hinterhand vorstellen, die durch das Gewicht des Reiters zusätzlich belastet wird. Damit das Pferd dieses Gewicht besser tragen kann, muss es lernen, mit seinen Hinterbeinen unter den Schwerpunkt zu treten und somit mehr Last aufzunehmen. Hierfür müssen die Muskeln in der Hinterhand durch gezieltes Training gestärkt werden. Um die Hinterhand zum Tragen zu bringen, muss das Pferd diese stärker anwinkeln (Hankenbeugung). Werden die Galoppsprünge kürzer und erhabener, nennt man das Versammlung. Das Pferd trägt sich nun in Selbsthaltung.