Mehr Abwechslung im Trainingsplan mit Seitengängen

Völlig unterschätzte Lektionen in der Reiterwelt mit so viel Mehrwert für dich und dein Pferd

Du musst kein professioneller Dressurreiter sein und egal ob Dressur-, Spring, Western- oder Freizeitreiter, Seitengänge sollten in jeden Trainingsplan gehören. Warum? Seitengänge bringen nicht nur eine Abwechslung in das tägliche Training mit deinem Pferd, sondern können auch die Losgelassenheit deines Pferdes verbessern, es gymnastizieren, motivieren, die Hinterhand kräftigen, die Schulterfreiheit fördern und vor allem die Balance verbessern.

Das Gute dabei ist, dass du keinem Pferd Seitengänge wirklich beibringen musst, denn sie gehen auch in der Natur ab und zu seitwärts, z.B. beim Spielen oder im Kampf. Du musst deinem Pferd also nur klarmachen, welche Seitwärts-Lektion du gerade abrufen möchtest.

Wir zeigen dir hier die wichtigsten Infos zum Thema Seitengänge:

Schenkelweichen

Genau genommen gehört Schenkelweichen nicht zu den Seitengängen, sondern zu den Seitwärtsbewegungen, da es nicht, wie die folgenden Lektionen in Stellung, Biegung und Versammlung geritten wird, sondern nur in Stellung und im Arbeitstempo. Im Schritt kann das Pferd mit dieser Lektion auf die Reiterhilfen sensibilisiert und im Trab gymnastiziert werden. Hierbei sollte das Pferd nicht mehr als 45 Grad abgestellt werden, die Vorder- und Hinterbeine sollen dabei kreuzen. Die vier Hufschlaglinien müssen während des Schenkelweichens von vorne zu sehen sein. Gerade für Reitanfänger ist diese Übung sehr lehrreich, da sie lernen, wie wichtig es ist, alle drei Reiterhilfen – Schenkel, Gewicht und Zügel – miteinander zu verknüpfen und welche Bedeutung der innere Schenkel und äußere Zügel bezüglich der Einrahmung des Pferdes haben. Damit das Schenkelweichen korrekt geritten wird, muss der Reiter die entsprechenden Hilfen geben.

 

Und so geht’s:

Der Reiter verlagert sein Gewicht indem er sein Becken nach vorn-innen kippt und somit den inneren Gesäßknochen mehr belastet. Soll das Pferd also beispielsweise dem linken Schenkel weichen, geht es schräg-rechts nach vorwärts-seitwärts und der Reiter belastet den linken Sitzbeinhöcker. Der Reiter gibt also eine einseitig belastende Gewichtshilfe. Beide Schenkel haben die Aufgabe, das Pferd vorwärtszutreiben, wobei der innere zusätzlich noch die seitwärts-treibende Hilfe gibt und der äußere verwahrend hinter dem Sattelgurt liegt, um das Pferd zu begrenzen und zu verhindern, dass das Pferd mit der Hinterhand „ausbricht“. Der innere Zügel stellt das Pferd und der äußere begrenzt die Schulter.

Schulterherein

Das Schulterherein kann man als „Mutter“ aller Seitengänge ansehen, da es die Grundlage für alle weiteren Seitengänge bildet. Es ist eine versammelnde Übung, das heißt, dass die Hinterhand des Pferdes während der Lektion mehr Last aufnimmt. Das Pferd muss sich beim Schulterherein im Genick stellen und im Körper biegen. Durch diese Kombination von Stellung, Biegung und Versammlung wird das Pferd gymnastiziert und gelöst. Durch diese positiven Auswirkungen ist die Lektion nicht nur für bereits weit ausgebildete Pferde geeignet, sondern auch für junge Pferde, die noch am Anfang ihrer Ausbildung stehen.

Während des Schulterhereins ist das Pferd entgegen der Bewegungsrichtung gebogen und läuft auf drei Hufschlägen. Das äußere, hintere Bein bewegt sich dabei geradeaus auf dem Hufschlag, das vordere, äußere und das hintere, innere auf dem zweiten Hufschlag und das vordere, innere auf dem dritten Hufschlag. Die Vorderbeine kreuzen dabei. So sieht man, von vorne betrachtet, nur drei Pferdebeine.

 

Und so geht’s:

Das Schulterherein lässt sich für die Anfänge am besten aus einer Ecke herausreiten, da die Stellung und Biegung in das Schulterherein mitgenommen werden kann. Man bereitet sein Pferd quasi auf eine Volte vor, nur, dass nicht auf die Volte abgebogen wird, sondern weiter geradeaus geritten wird. Der Reiter verlagert dabei sein Gewicht nach innen. Der äußere Schenkel liegt verwahrend, um das Pferd zu begrenzen, der innere Schenkel treibt das Pferd vorwärts und ist für die Biegung zuständig. Der äußere Zügel begrenzt die Schulter, muss aber gleichzeitig auch so weit vorgeben, dass sich das Pferd im Genick nach innen stellen kann. Der innere Zügel ist für die Stellung verantwortlich.

Travers und Renvers

Travers und Renvers sind vorbereitende Lektionen für die Traversale und dienen der weiteren Gymnastizierung des Pferdes. Die Hinterhand wird elastischer, die Versammlung und Durchlässigkeit werden gefördert. Das Pferd bewegt sich beim Travers und Renvers auf vier Hufschlaglinien und sowohl die Vorder- als auch die Hinterbeine kreuzen.

Beim Travers bleibt die Vorhand auf dem Hufschlag und die Hinterhand bzw. die Kruppe wird nach innen in die Bahn hineingestellt. Daher wird es auch „Kruppeherein“ genannt. Traver ist eine vorbereitende Übung für Wendungen, Pirouetten und Traversalen.

Beim Renvers ist es genau das Gegenteil, die Hinterhand bleibt auf dem Hufschlag und die Vorhand wird nach innen in die Bahn hineingeführt. Beide Lektionen können im Schritt zur Übung geritten werden und im Trab. Im Galopp sollten die Übungen nur von erfahrenen Reitern ausgeführt werden.

 

Und so geht’s:

Die Hilfengebung ist für beide Lektionen gleich. Das Gewicht wird nach innen verlagert. Der innere Schenkel ist für die Biegung zuständig, der äußere liegt verwahrend und treibt das Pferd vorwärts-seitwärts. Der innere Zügel stellt das Pferd und kann seitwärts weisen, der äußere begrenzt die Stellung und gibt gleichzeitig nach, um die Stellung zuzulassen. Es ist sinnvoll, Travers, ähnlich wie beim Schulterherein, aus der Ecke heraus einzuleiten, um die bereits vorhandene Stellung und Biegung in die Lektion mitzunehmen.