Der Takt des Pferdes – die entscheidende Grundlage

Der Takt ist beim Reiten die entscheidende Grundlage, wenn dieser nicht stimmt, wird auch alles andere nicht funktionieren. Doch wie ist der richtige Takt, gibt es Unterschiede in den Gangarten? Dazu mehr in folgendem Artikel:

Filipe Fernandes beim Training

Weil der Takt die Basis von allem ist, ist er der erste Punkt der Ausbildungsskala und somit Grundlage der klassischen Reiterei. Nach der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) ist der Takt das räumliche und zeitliche Gleichmaß aller Schritte, Tritte und Sprünge. Das heißt, dass jeder Tritt des Pferdes gleichlang sein soll und der Rhythmus in jeder der drei Gangarten gleichmäßig. Im Schritt ist das Bewegungsmuster ein Viertakt; im Trab ein Zweitakt und im Galopp ein Dreitakt. Der Rhythmus bleibt in allen Gangarten konstant, auch bei Tempoänderungen, auf gebogenen Linien und bei allen Lektionen. Pferde laufen in freier Natur immer im Takt, setzt sich ein Reiter aufs Pferd, wird der Takt durcheinandergebracht. Jedes Pferd hat hierbei seinen eigenen Rhythmus, auf den der Reiter achten muss. Fordert der Reiter ein zu hohes Tempo und versucht das Pferd krampfhaft nach vorne zu treiben, ohne auf das individuelle Grundtempo des Pferdes zu achten, so kommt es leicht zu Taktfehlern.

Bei uns Menschen bestimmt der Takt unser Leben. Wir fühlen uns wohl, solange wir einen Rhythmus haben, ob beim Tanzen, Laufen, oder auch beim Atmen. Wird dieser Rhythmus bzw. Takt gestört, empfinden wir ein Unwohlsein und es entsteht eine Disharmonie. Den Pferden geht es hierbei genauso.  Der Reiter kann störend auf den Takt einwirken, indem er zum Beispiel schief sitzt, selbst nicht ausbalanciert ist, eine zu starke Hand hat oder zu wenig nachtreibt. So schaffen es unsere Reiter bei CAVALLUNA eine vollkommene Harmonie mit ihren Pferden zu präsentieren, indem sie, teilweise sogar freihändig, einen absolut ausbalancierten Sitz haben, zum Nachtreiben kommen und somit den Takt ihrer Pferde nicht stören.

Fußfolge im Schritt

Schritt

Der Schritt ist die langsamste Gangart des Pferdes. Er ist eine schreitende Vorwärtsbewegung im Viertakt mit 8 Phasen ohne Schwebephase. Die Fußfolge ist nacheinander diagonal und gleichseitig. Man hört somit 4 Hufschläge in einem regelmäßigen Takt (Viertakt).

Die Bewegung fließt harmonisch durch den ganzen Körper mit einer Nickbewegung des Kopfes in Richtung vorwärts-abwärts (Schreiten). Gerade im Schritt kommt es häufig zu Taktstörungen oder -unreinheiten, wenn der Reiter die natürliche Nickbewegung des Pferdes nicht zulässt.

Diese Grundgangart wird in vier Arten geteilt: versammelter Schritt, Arbeitsschritt, Mittelschritt und starker Schritt.

In der versammelten Variante soll das Pferd kürzere und somit erhabenere Schritte machen. Es setzt sich vermehrt auf die Hinterhand und befindet sich in einer Aufrichtung. In der Dressurlektion „Spanischer Schritt“, die man häufig in unseren CAVALLUNA Shows findet, ist der versammelte Schritt die Grundlage. Der Arbeitsschritt ist die normale Bewegung des Pferdes in einem klaren Viertakt. Lässt Bartolo Messina seine Shettys bei CAVALLUNA frei herumlaufen, ohne gerade eine Lektion von ihnen zu verlangen, bewegen sie sich also im Arbeitsschritt. Beim Mittelschritt sollen die Hinterhufe etwas über der Spur der Vorderhufe auftreten. In der starken Grundgangart sollen die Hinterhufe deutlich weiter über der Spur der Vorderhufe auftreten als im Mittelschritt – hierbei wird von der sogenannten Rahmenerweiterung gesprochen, die durch ein verlängertes Zügelmaß ermöglicht wird. Das Pferd läuft dabei nicht eiliger, sondern erhabener.

Fußfolge im Trab

Trab

Der Trab ist eine mittelschnelle Gangart. Hierbei kann das Pferd große Distanzen zurücklegen. Der Trab ist eine schwunghafte Bewegung im Zweitakt (4 Phasen) und einer diagonalen Schwebephase. Zwischen den einzelnen Takten schwebt das Pferd, das heißt es verliert den Bodenkontakt. Der Kopf ist hierbei höher und ruhiger als beim Schritt.

Diese Grundgangart wird in vier verschiedene Varianten unterschieden: versammelter Trab, Arbeitstrab, Mitteltrab und starker Trab.

In der versammelten Version verkürzen sich die Schritte und das Pferd ist erhabener. Es wird das verstärkte Untertreten der Hinterhand unter den Schwerpunkt verlangt. Auch im Trab ist die versammelte Art wieder die Voraussetzung für Dressurlektionen wie „Passage“. Unter dem Arbeitstrab wird der normale Trab des Pferdes verstanden, den die Shettys von Bartolo Messina in freier Bewegung zeigen. Er ist taktmäßig, raumgreifend und schwungvoll. Der Mitteltrab hat eine längere Schwebephase mit einem größeren Raumgriff, wobei das Pferd seinen Hals dehnen soll. Bei der starken Variante dieser Gangart soll das Pferd größtmöglichen Schwung entfalten und sowohl Raumgriff als auch Schub aufbringen, ohne dabei schneller zu werden.

Fußfolge im Galopp

Galopp

Die schnellste Gangart ist der Galopp. Es ist eine schwunghafte Gangart im 3-Takt (6 Phasen) mit einer Schwebephase. Der Bewegungsablauf besteht aus aneinandergereihten Sprüngen und ist daher eine gesprungene Gangart. Das Pferd schwingt durch den Rücken, ist elastisch und losgelassen. Die Bewegung geht bergauf, das heißt, dass das Hinterbein nach vorne greift, die Hinterbeine fußen energisch ab.

Im Galopp bringt der Reiter das Pferd schnell aus dem Takt, wenn er es vorne zu sehr festhält und von hinten nicht genügend nachtreibt, sodass die Hinterhand nicht mehr richtig durchtritt. So entwickelt sich schnell ein Viertakt, der als Tralopp bezeichnet wird, da sich das Pferd vorne im Galopp und hinten im Trab befindet.

Das Pferd schwingt beim Galoppieren jeweils ein diagonales Beinpaar nach vorne, und zwar eines etwas mehr als das andere. Hierdurch wird dann auch in den Links- und Rechtsgalopp unterschieden. Ist die Fußfolge fehlerhaft, befindet sich das Pferd im Kreuzgalopp. Das bedeutet, dass das Pferd mit den Vorderbeinen im Linksgalopp und mit den Hinterbeinen im Rechtsgalopp, oder umgekehrt, ist.

Beim Galoppieren in der Reitbahn greift meist das innere (das der Bahnmitte zugewandte) Beinpaar weiter vor. Hier wird dann von dem Innengalopp gesprochen. Greift das äußere Beinpaar vor, bewegt sich das Pferd im sogenannten Außengalopp.

Unterschieden werden hier 4 Galopparten: versammelter Galopp, Arbeitsgalopp, Mittelgalopp und starker Galopp.

In der versammelten Bewegung wird der Galoppsprung verkürzt. Das Pferd soll mit seiner Hinterhand deutlich unter den eigenen Schwerpunkt springen. Die Sprünge werden kürzer, der Raumgriff geringer und das Tier erhabener. Unter dem Arbeitsgalopp versteht man den normalen Galopp des Pferdes. Dieser sollte in einem sauberen Dreitakt erfolgen. Im Mittelgalopp sind die Galoppsprünge länger und raumgreifender. Beim starken Bewegungsablauf erfolgt eine noch stärkere Rahmenerweiterung als im Mittelgalopp.

Der Takt ist also Voraussetzung für jede Arbeit in der Dressur. Denn ein Pferd, das nicht im Takt läuft, kann auch keine ehrliche Anlehnung aufbauen. Auch die Entwicklung des Schwungs und die daraus resultierende Versammlung sind ohne den Takt in den verschiedenen Gangarten unmöglich.

Der Takt ist wichtig, um eine harmonische Verbindung zwischen Pferd und Reiter herzustellen und diese auch so nach außen wirken zu lassen: So sieht eine Piaffe der Equipe Valença nur schön aus, wenn sie taktrein und sauber geritten ist. Dies erfordert viel Übung und jahrelanges Training.