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Im Interview: Regisseur und Fotograf Mike Kraus

Im SHOWPALAST MÜNCHEN weht an diesem Tag ein ganz anderer Wind. Die Hälfte der Bühne hat sich in ein riesiges Studio verwandelt: Allerlei Leuchten, Stative und Kabel werden sorgfältig verlegt. Bereits seit den frühen Morgenstunden huscht ein ganzes Fotografen-Team umher und klebt die letzten Kabel an die richtige Stelle. Mike Kraus packt gerne selbst mit an, denn schließlich muss für sein Shooting mit den vierbeinigen Schönheiten alles perfekt sein. Erfahren Sie mehr über den Ausnahmekünstler Mike, seine Arbeit mit Pferden und das zweite Werk der Projektreihe EQUILA X ART.

Wie kamst du zum Film und zur Fotografie?
Mike: Mit 16 arbeitete ich einen Sommer lang an der Produktion „Ein Schloss am Wörthersee“ mit Roy Black. Es war mein erster Job am Set – beim Film nennt man diese Position „Best Boy“. Ich war im Grunde genommen der Junge für alles (lacht). Die Fotografie hingegen hat mir ein Lehrer an meiner Schule nahegebracht. Die Arbeit mit der Kamera bereitete mir von Beginn an eine sehr große Freude. Daher entschied ich mich später dazu, Fotografie in Florenz zu studieren. Nachdem ich meinen Abschluss in der Tasche hatte, bin ich nach Chicago gegangen, um Film zu studieren.

Diesmal vor statt hinter der Kamera: Star-Fotograf Mike Kraus.

Du bist ein sehr facettenreicher Künstler. Wie beschreibst du deine Leidenschaft für die Kunst?
Mike: Es gibt einen Satz, der mein Motto super beschreibt: „Every instrument will love you, if your heart comes with a melody“. Es sagt, dass du dein Handwerk nur einzigartig ausführen kannst, wenn du die gewisse Leidenschaft dafür im Herzen trägst. Dann wird dich jedes Instrument, mit dem du dein Handwerk ausführst, „lieben“. Egal ob Pinsel, Gitarre oder Kamera – Künstler kann nur der werden, der die richtige Passion mitbringt.

Deine Arbeit ist sehr vielfältig. Neben deutschen Schauspielern wie Uwe Ochsenknecht und Jan Josef Liefers hast du bereits auch internationale Stars wie James Franco oder Thomas Brodie-Sangster (Game of Thrones) abgelichtet. Wie bist du auf die Idee gekommen, unsere vierbeinigen Stars zu fotografieren?
Mike: Als ich die Premiere im November 2017 in München erleben durfte, war ich hellauf begeistert von der Eleganz der Pferde! Mir war sofort klar, dass ich diese edlen Tiere gern fotografisch in Szene setzen möchte. Daraufhin nahm ich Kontakt zum EQUILA-Team auf, das von der Idee begeistert war. Außerdem bin ich ja kein Tier- sondern Celebrity-Fotograf! Somit war mir klar, dass ich eure Pferde – die Stars der Show – unbedingt ablichten muss (schmunzelt).

Was ist das Besondere an deiner Fotografie mit Pferden?
Mike: Für mich ist besonders spannend, dass Pferde ganz unterschiedlich vor der Kamera wirken. Nicht nur ihre Fellfarben setzen verschiedene Akzente, auch die Mähnen, die kräftigen Muskeln und die Gesamterscheinung ist auf den Bildern sehr unterschiedlich. Ich hatte aber auch drei Models, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Friese „Baby“, P.R.E. „Bandolero“ sowie den Schimmel „Lunero Sol“. Die Auswahl habe ich selbstverständlich vorab mit dem Team von EQUILA getroffen. Die Ausstellung sollte man auf jeden Fall im Gesamtbild auf sich wirken lassen, erst dann spürt man die vollkommene Ästhetik der Pferde. Vor der kann ich mich künstlerisch nur verneigen.

Was verzaubert dich an Pferden?
Mike: In Gesellschaft von Tieren fühle ich mich augenblicklich geerdet. Die Kommunikation reduziert sich auf das Wesentliche und ist daher sehr beruhigend. Pferde sind darüber hinaus besonders majestätische Wesen, die mich einfach beeindrucken.

SHOWPALAST MÜNCHEN im EQUILALAND München
Im SHOWPALAST MÜNCHEN fand das Shooting statt.

Welche Herausforderung hattest du bei deinem Shooting?
Mike: Die Herausforderungen waren ein komplettes Fotostudio im SHOWPALAST MÜNCHEN zu erschaffen, die Motive mit viel Feingefühl zu fotografieren und danach alles wieder abzubauen – und all das an nur einem einzigen Tag.

Natürlich war die Bühne ideal für ein Shooting: Sie ist ein gewohnter Ort für die Pferde und bietet viel Platz. Dennoch war es insgesamt mit einem großen Aufwand verbunden, denn damit wir die Pferde perfekt in Szene setzen konnten, mussten wir vorab die Hälfte der Bühne mit geeigneten Bodenplatten verlegen. Diese haben sich auf dem weichen und feuchten Sand jedoch nach kürzester Zeit alle gewellt, da der SHOWPALAST MÜNCHEN über ein ganz spezielles System verfügt, das den Sand auf der Bühne automatisch befeuchtet. Daher haben wir den Boden doppelt und entgegengesetzt verlegt und verschraubt. Dreimal am Tag mussten die 6 mal 10 Meter groß gespannten Planen für die Hintergrund- und Bodenfarben gewechselt werden. Es war zwar ein anstrengender Tag, aber er war ebenso erfüllend und hat mir sehr viel Spaß bereitet.

Hast du einen Pferde-Fotografie-Tipp für unsere Leser?
Mike: Bitte nicht zu Hause nachmachen (lacht)! Nein, im Ernst, es gibt so viele Möglichkeiten, diese wundervollen Tiere abzulichten. Es ist auf jeden Fall sehr reizvoll, mit nur einem Blitz zu arbeiten und einen Teil des Pferdes in Dunkelheit fallen zu lassen. Das macht Pferde noch geheimnisvoller, als sie ohnehin schon sind.